Oster-Wanderfahrt 2026 auf der Mosel
- Martin Rummel
- 2. April 2026
-Mit guter Laune und etwas Glück dem Osterblues getrotzt-
Ein großes Teilnehmerfeld findet sich für die jährlich stattfindende Osterwanderfahrt nicht, aber ein harter Kern ist jedes Jahr dabei. So konnten auch in diesem Frühjahr sieben Interessenten für die erste Wanderfahrt im Jahr rekrutiert werden. Eine ungünstige Zahl für eine Bootsbesetzung, aber der Bootspark des GTRVN hält für alle Eventualitäten Boote bereit. So wurden die Julle als „Vierer mit“ und die Nimm Zwei als „Zweier ohne“ am Abend des Gründonnerstags auf den Anhänger geladen. Dieses Jahr hatten wir uns als Rudergewässer die Ober- und Mittelmosel ausgesucht.
Am Karfreitag ging es zeitig los, da wir, abgesehen von der ersten Ruderetappe, auch unsere Logistik erledigen mussten, weil wir ohne Begleitfahrzeug unterwegs sein wollten. Ein PKW wurde am Endpunkt der Tour, in Zell, platziert und der Bootstransport zog weiter moselaufwärts. Die vorgesehen Kanu-Einsatzstelle in Palzem an der Obermosel erwies sich als ungeeignet für uns, so dass wir spontan eine Alternative suchen mussten. Diese fanden wir wenige Kilometer moselabwärts auf der luxemburgischen Flussseite in Ehnen. Um 11.30 Uhr war es geschafft. Die Boote waren im Wasser, das Gepäck war verstaut und jeder saß auf seinem Ruder- oder Steuerplatz. Unser Chauffeur Luka fuhr den Transport für uns nach Zell zurück und konnte mit dem dort abgestellten PKW endlich in sein Osterwochenende starten.
Passend für einen Karfreitag war der Himmel grau und verhangen. Es wehte ein kalter Wind und alles wirkte eher trostlos. In dem Grenzort mit dem bestechenden Namen Wasserbillig bogen wir spontan in die Mündung der Sauer ein, wo es windgeschützt war und wir einen halbwegs passablen Anlegeplatz für eine Pause ausfindig machten. In einem Café am Moselufer ergatterten wir tatsächlich einen Tisch für sieben Personen und wärmten uns mit diversen Heißgetränken etwas auf. Als Aufheller für die Seele stand ein überraschend reichhaltigen Kuchenbuffet bereit. Danach ging es weiter in Richtung Trier. Beinahe wären wir in Konz in die Saar eingebogen, aber im letzten Moment bemerkten wir unseren Irrtum. In Trier durften wir im nagelneuen Bootshaus des RV Treviris auf der linken Moselseite unser Nachtlager aufschlagen. Uns standen zwei Mehrbettzimmer, großzügige Sanitäranlagen, eine gut ausgestattete Küche und ein Aufenthaltsraum zur Verfügung. Für eine Bootshausübernachtung konnte sich das sehen lassen! Mit einem gemeinsamen Abendessen in einer nahegelegenen Pizzeria fand der Tag einen schönen Ausklang.
Nach unserem selbst zubereiteten üppigen Frühstück ging es am Samstagmorgen erneut bei wenig ansprechenden Wetterverhältnissen aufs Wasser. Zu dem windigen Dauergrau gesellten sich noch sporadische Regenschauer, aber wir bemühten uns, unsere optimistische Grundstimmung nicht gegen einen depressiven Osterblues einzutauschen. Die Nimm Zwei schaltete den Turbo ein und suchte nach einer Anlege- und Einkehrmöglichkeit für die Pause. Am Campingplatz Mehringer Schweiz fanden wir diese. Die einfache, aber trendige „Mosel Beach Lounge“ war genau das, was wir nach diesem ungemütlichen Vormittag brauchten. Auch die Tatsache, dass sich die Inhaber als bekennende Motorbootfahrer outeten, tat unserer inzwischen wieder gestiegenen Laune keinen Abbruch. Man könnte fast sagen, dass wir so etwas wie Sympathie füreinander empfanden. Die verbleibenden 14 km zu unserem Tagesziel Trittenheim legten wir danach spielend zurück. Die neu renovierten und sehr schön eingerichteten Zimmer unseres Hotels ließen nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einigen Zimmern die Handtücher fehlten und Axel und Thomas kalt duschen mussten, weil die beiden Gentlemen ihren Ehefrauen beim Duschen den Vorrang gelassen hatten. Offenbar war die Warmwasserversorgung des Hotels nur auf maximal fünf Warmduscher ausgerichtet. Aber selbstverständlich ließen wir uns auch von solchen Nebensächlichkeiten nicht die gute Laune verderben! Zum Abendessen im „Seminarshof“ ging es uns mit feinen Speisen und gutem Wein zum Ende des Tages noch einmal richtig gut.
Auch wenn das Frühstück am Sonntagmorgen nicht annähernd das Niveau des Osterfrühstücks vom Vorjahr in Beverungen an der Weser erreichte, so waren wir dennoch zufrieden und starteten anschließend zu unserer dritten Etappe nach Bernkastel-Kues. Mit 28 km war dies unsere kürzeste Etappe. So blieb am Nachmittag noch ausreichend Zeit, um zusammen mit unzähligen Moseltouristen die Souvenirshops von Bernkastel zu stürmen. Aber zurück zur Ruderetappe, bei der wir wieder ein Pausen-Highlight erleben durften. Das wenige Kilometer vor Bernkastel gelegene Hotel Weißer Bär betraten wir mit großer Skepsis. Immerhin war Ostern und unser Ruder-Outfit passte nicht so recht zu einem österlichen Mittagsmahl. Der im Foyer stehende ausgestopfte riesige Eisbär flößte zudem Respekt ein. Aber weit gefehlt! Wir wurden sehr freundlich bedient und bekamen einen Tisch mit Moselblick zugewiesen. Also hatten wir wieder einmal Glück gehabt. Unser Nachtlager schlugen wir heute im Bootshaus des Bernkasteler RV auf, wo wir nach dem touristischen Stadtbummel und anschließendem Abendessen noch zwei sehr gesprächige Ruderkollegen antrafen. Unsere Müdigkeit besiegte irgendwann unsere Höflichkeit und wir verabschiedeten uns in die wohlverdiente Nachtruhe.
Am Montag schien dann endlich die Sonne! Drei Tage kühles und windiges Wetter hatten unseren Optimismus dann doch ein klein wenig beschädigt, aber der Ostermontag ließ unser Stimmungsbarometer wieder steil ansteigen. Wir hatten zwar fast 40 km zu rudern und mussten zwei Schleusen passieren, aber das Glück war wieder auf unserer Seite. Als Pausenstation bot sich ein nettes Lokal mit guter Anlegemöglichkeit gegenüber dem Bootshaus des RC Traben-Trarbach an. Noch mehr Glück hatten wir, dass die Ruderkollegen aus Traben-Trarbach aufmerksam waren und die während unserer Pause herannahende Motorjacht bemerkten, die beträchtliche Wellenberge verursachte. Die lauten Warnrufe von der anderen Moselseite holten uns jäh aus unserer Pausen-Lethargie. In Windeseile waren wir bei den Booten und konnten Schäden abwenden. Aufgrund des schlechten Wetters war uns bisher kein einziges Motorboot begegnet, aber kurz vor dem Ende der Wanderfahrt musste sich dann doch noch ein Exemplar dieser Gattung in voller Aktion zeigen. Nach dieser Aufregung ließen wir uns den selbst gebackenen Apfelstrudel auf der Terrasse des Lokals schmecken. Ein Anruf bei der letzten Schleuse verlangte uns dann noch einen Endspurt ab. Ein talwärts fahrendes Flusskreuzfahrtschiff war für die nächste Schleusung angemeldet. Der Schleusenwärter bot uns an, auf uns zu warten, wenn wir innerhalb von 10 Minuten an der Schleuse sind. Drei Kilometer hatten wir bis zur Schleuse zu rudern. Mit voll beladenen Wanderbooten und ohne Strömung war dies eine Herausforderung, aber wir nahmen sie an und wir meisterten sie! Das spornte uns an, auch die restliche Strecke zügig zurückzulegen.
Kurz nach 16 Uhr legten wir am Steg des Zeller Rudervereins an. Mit geübten Handgriffen wurden die Boote abgeriggert und verladen. Die Rückfahrt nach Neuwied verlief problemlos, ebenso das Abladen und Reinigen der Boote. Um 19 Uhr war alles erledigt und wir mussten uns wehmütig eingestehen, dass das schöne Osterwochenende viel zu schnell vergangen war. Auch wenn wir uns besseres Wetter gewünscht hätten, so haben wir doch wieder eine schöne gemeinsame Zeit, auf einem im Frühjahr wunderbar ruhigen Fluss in landschaftlich einzigartiger Umgebung miteinander verbracht. Das ist es, was zählt und so freuen wir uns alle auf weitere schöne Rudererlebnisse in diesem Jahr und natürlich auf die Osterwanderfahrt 2027!
Bettina Grzembke








