Federweißen-Tour 2026
- Martin Rummel
- 18. Oktober 2026
Die Federweißentour erfreute sich in diesem Herbst großer Beliebtheit. Schon einige Wochen zuvor waren die 15 vorhandenen Bootsplätze belegt. Die Federweißentour als Traditionswanderfahrt, ist eine Veranstaltung, deren Organisation in der Regel Routine ist und keine großen Herausforderungen mit sich bringt. Aber wer rechnet bei der Planung im Januar schon damit, dass den ganzen Sommer über und auch im Herbst extremes Niedrigwasser herrscht? Hinzu kam der temporäre Ausfall der direkten Bahnverbindung durch die Sanierung der rechtsrheinischen Bahnstrecke, die sonst eine bequeme Anreise ermöglichte. Und dann noch die unerwartete Erkenntnis, dass die Federweißenzeit in diesem Jahr schon vor der gleichnamigen Tour beendet war!
Es stellten sich uns daher ungewohnte Fragen: Bekommen wir die Boote in Wiesbaden-Biebrich und in Sankt Goar schadlos ins und wieder aus dem Wasser? Können wir an den üblichen Stellen anlegen, um Pausen zu machen? Wie befördern wir die Teilnehmer, die nicht in den Bus passen, nach Biebrich? Wie geht eine Federweißentour ohne Federweißen? Die erste Frage konnten wir im Vorfeld mit „ja“ beantworten. Was die Pausen angeht, beschlossen wir, diese Problemstellung situativ und spontan zu lösen. Auch für die dritte Frage bot sich eine Lösung. Kirstens Mann bot sich als zusätzlicher Chauffeur an und drei Personen nahmen das Abenteuer einer Anreise mit dem ÖPNV über die linke Rheinseite in Kauf. Lediglich der letzte Punkt musste auch nach langen Überlegungen und erfolglosem Befragen der KI offen bleiben.
Alle 15 Teilnehmer einschließlich Bus-Chauffeur Marius und einer kleinen Fan-Gemeinde, bestehend aus Ulis Tochter Charlotte und Freund sowie Bernd und Wencke Schmidt, fanden sich am Freitagabend zu einem gemeinsamen Abendessen in der Bootshaus-Gastronomie der RG Wiesbaden-Biebrich ein. Nach diesem geselligen Auftakt trennten sich Bootshaus- und Hotelschläfer, um sich am nächsten Morgen zu einem gemeinsamen Frühstück unter den Bootshaus-Arkaden wieder zusammen zu finden. Das Bootshaus lag an diesem Samstagmorgen an der Strecke des Mammutmarschs Wiesbaden, an dem auf Wanderstrecken von 30, 42 oder 55 km an diesem Vormittag unzählige Wanderer in Richtung Rheingau unterwegs waren. Die ersten mit Stirnlampe ausgestatteten „Mammuts“ waren von den Bootshausschläfern schon bei Tagesanbruch gesichtet worden. So viele Zuschauer hatten wir beim Frühstück und Boote zu Wasser lassen garantiert noch nie!
Nachdem wir uns mit den Booten Hameln, Julle und Rolandsbogen durch die Mammut-Herden zum Rheinufer gekämpft hatten, konnten wir einem Mammut abringen, trotz drohendem Zeitverlust, ein Gruppenfoto von uns zu machen. Bei leichtem Nieselregen setzten sich die Boote rheinabwärts in Bewegung. Um Schäden zu vermeiden, navigierten die Steuerleute die Boote konstant durch die Fahrrinne, die wegen des Wasserstands nur von wenigen Fracht- und Passagierschiffen frequentiert wurde.
Unsere Freude über das Ende des Regens hielt nur kurz an, da dieser ab Bingen durch heftigen Gegenwind abgelöst wurde. Die sonst merklich stärkere Strömung auf der Gebirgsstrecke wurde durch den Wind und die ohnehin geringere Fließgeschwindigkeit aufgrund des Niedrigwassers komplett kompensiert. Ziemlich erschöpft trafen wir in Bacharach ein, wo wir an Pontons der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung anlegen konnten, um eine Pause einzulegen. Nach einer Stärkung nahmen wir den Kampf mit dem Gegenwind erneut auf. Die Loreley-Passage gestaltete sich völlig unspektakulär. Kein Schiff störte unsere Durchfahrt, so dass wir den sagenumwobenen Streckenabschnitt mit allen Sinnen genießen konnten und dabei sogar den Wind vergaßen. Beim Anlegen in Sankt Goar mussten wir eine kleine Kneipp-Kur in Kauf nehmen. Helenes Aussage, das Wasser sei warm, wurde nicht von allen Mit-Kneippern geteilt. Der feine Rheinsand vor dem Steg des WSV Sankt Goar konnte den Booten nichts anhaben. Wir lagerten die Boote sogar auf dem Sand, was den Vorteil hatte, dass unsere Kräfte, an denen der Wind schon arg gezehrt hatte, geschont wurden. Irgendwie hatten auch wir nun das Gefühl, eine „Mammut-Strecke“ zurückgelegt zu haben, obwohl wir nur 53 km gerudert waren.
Wieder trennte sich die Spreu vom Weizen, beziehungsweise die Bootshaus- von den Hotelschläfern. Zum gemeinsamen Abendessen trafen wir uns jedoch schon bald wieder im Gasthof „Zur Krone“. Die Favoriten an diesem Abend waren Ofenkartoffeln mit oder ohne Pute sowie Schnitzel Wiener- oder Jäger Art. Nur eine Bestellung setzte sich von den übrigen ab. Als die Bedienung fälschlicherweise aus den bestellten Schweine-„Medaillons“ ein gewöhnliches Schweine-„Filet“ machte, wurde sie sofort in ihre Schranken verwiesen. Ihr fiel zwar als professionelle Mitarbeiterin des Restaurants „Zur Krone“ kein Zacken aus derselben, aber sicherlich wird ihr ein solcher „Faux Pas“ kein zweites Mal passieren. Selbstverständlich handelte es sich bei dem Kritiker um einen Hotelschläfer (Anmerkung der Redaktion). Nach anregenden Gesprächen und zum Teil auch ebensolchen Getränken besichtigte die „Spreu“ noch kurz die Hotelzimmer des „Weizens“, um sodann neiderfüllt auf die Isomatten und in die Schlafsäcke im Bootshaus zu sinken.
Nach einem getrennten Frühstück in Bootshaus und Hotel fanden Spreu und Weizen im Boot wieder zueinander. Der Wind hatte in der Nacht nachgelassen. Dafür war es grau und merklich kühler als am Vortag. Die Prognose, man könne in Lahnstein nicht anlegen, stellte sich glücklicherweise als „Fake News“ heraus, so dass wir unsere Pause in gewohnter Weise bei den Rhein-Terrassen in Lahnstein einlegen konnten. Wir wurden freundlich empfangen, schnell bedient und konnten somit die verbleibenden 22 km bis zum heimischen Pegelturm ohne Probleme zurücklegen. Eine gründliche Bootsreinigung nach der sandigen Anlandung und Lagerung in Sankt Goar war selbstverständlich. Zum Abschluss mussten wir feststellen, dass der fehlende Federweiße die Tour nicht beeinträchtigt hatte. Somit war auch die letzte Ausgangsfrage, die wir uns vor der Tour gestellt hatten, beantwortet. Es gab also keinen ernst zu nehmenden Grund, die Durchführung der Federweißen-Tour in Frage zu stellen. Es wird sie auch im nächsten Jahr geben, hoffentlich mit ähnlich hohem Zulauf wie in diesem Jahr. Danke an alle Teilnehmer, von denen jeder einzelne am Gelingen eines schönen Wanderfahrts-Wochenendes beigetragen hat. Ebenso ein Dank an die Fahrer Marius und Frank, die uns tatkräftig unterstützt haben! Ich freue mich auf die nächste Federweißen-Tour im Jahr 2027.
Bettina Grzembke





























