Am vergangenen Wochenende (11./12.10.2026) fanden auf dem Ruhrstausee in Essen-Kettwig die Deutschen Sprintmeisterschaften statt. Im Finale unter Flutlicht am Samstagabend im Männer-Einer erreichte Gerrit Schäfer über die 350 m-Distanz in 1:06,19 Minuten den zweiten Platz. Mit einem Rückstand von 3,35 sek musste er sich seinem erwartet stärksten Konkurrenten Moritz Witten (Köln) geschlagen geben. Herzlichen Glückwunsch zu dieser starken Leistung und zur verdienten Silbermedaille! Auch wenn Gerrits Ziel der Titelgewinn war, überwiegt mit etwas Abstand die Freude über ein hochklassiges und sehenswertes Finale.
Deutlich weniger überzeugend als die sportlichen Leistungen war dagegen die organisatorische Umsetzung des Finalabends durch den Deutschen Ruderverband und den ausrichtenden Essener Ruder-Regatta-Verein. Der Zugang zum Zielbereich, zur dortigen Leinwand und insbesondere zur Siegerehrung war am Samstagabend nur mit einer kostenpflichtigen Eintrittskarte möglich. Diese Regelung ist aus meiner Sicht unverständlich.
Der Rudersport bemüht sich zu Recht um größere öffentliche Sichtbarkeit und eine stärkere Bindung von Familien, Vereinsmitgliedern und weiteren Interessierten. Wenn ausgerechnet die entscheidenden Rennen und die Siegerehrungen nur gegen Eintritt zugänglich sind, wird dieses Ziel konterkariert. Mir als betreuendes Vorstandsmitglied eines DRV-Mitgliedvereins wurde der Zugang zur Siegerehrung meines Sportlers verwehrt. Selbstverständlich zahle ich keine 10 Euro Eintritt, das widerstrebt mir vollständig und eher fließt der Rhein rückwärts, als dass ich Eintritt zur Siegerehrung bei einer Deutschen Meisterschaft in der Sportart Rudern zahle.
Ich habe Verständnis dafür, dass für eine nach den Finals stattfindende Party im Festzelt mit DJ usw. Eintritt erhoben wird, das ist alles nachvollziehbar. Der Zutritt zu einer Siegerehrung sollte jedoch wie bisher kostenfrei möglich sein. Die Krönung erfuhr dann eine Neuwieder Unterstützerin: eine Rückgabe der Pfandbecher war nicht möglich ohne Eintritt zu zahlen. Die Dame konnte sich durchsetzen, aber das zeigt doch schon den Irrsinn, der da veranstaltet wurde. Besonders kritisch ist aus meiner Sicht die unzureichende Beleuchtung der Zu- und Abgänge. Während die Regattastrecke am Abend ausgeleuchtet war, blieben die angrenzenden Wege und Verkehrsflächen weitgehend dunkel. Gleichzeitig wurden diese Bereiche von Zuschauenden sowie von Sportlerinnen und Sportlern mit Booten für den Transport zum und vom Wasser genutzt. Auf der engen Uferpromenade entstand dadurch ein vermeidbares Kollisions- und Verletzungsrisiko
Ungeachtet dieser organisatorischen Kritik boten die Meisterschaften auch aus Neuwieder Sicht weitere erfreuliche sportliche Leistungen. Neben Gerrit haben sich in diesem Jahr auch Julien Lenkeit und Tobias Weber im Männer-Doppelzweier der Konkurrenz über 350m gestellt. Für beide war es die erste Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft, bei der sie sich in einem engen Teilnehmerfeld achtbar behaupteten. Nach einem äußerst knappen B-Finale, dessen Ergebnis erst durch Zielfoto entschieden werden konnte, belegten Julien und Tobias in der Gesamtwertung den achten Platz. Neben diesem guten Ergebnis nahmen beide wertvolle Erfahrungen aus ihrer ersten Meisterschaftsteilnahme mit.
Stefan Kunz